Vom müssen, können und wollen.

Über öffentliche Toiletten in Frankfurt am Main.Bauplan Pissour-Häuschen Franziusplatz 1919 mit Lupe

Hilla hatte einen Job, für den es heute eine Sonderzulage gäbe: sie reinigte in Frankfurt Gruben, in denen sich die Notdurft Frankfurter Bewohner sammelte. Zum Glück ist das schon viele Jahrhunderte her und Hilla heute eine historische Figur: im Jahr 1330 wird sie in den Dokumenten als „schizhusfegern" erwähnt und gilt damit als erste Klofrau Deutschlands. Verbürgt ist ebenso, dass es bereits im Jahr 1348 öffentliche Toiletten in Frankfurt gab - zumindest soweit man Balken über Gruben als solche bezeichnen mag.

Toiletten ja, aber nicht bei uns - Wutbürger Anno 1866

In Zeiten, da man grundsätzlich ins Freie ging, um sich zu erleichtern, waren öffentliche stille Örtchen auch sehr von Nöten. Das heißt nicht, dass das Errichten der Örtlichkeiten immer auf Akzeptanz stieß. Als der Senat der Freien Stadt Frankfurt im Jahr 1866 beschloss, 20 Pissoirs aufzustellen, erhob sich Protest. Gerade dort, wo der größte Bedarf war, an den belebten Straßen und Plätzen, wurden die Anlagen als störend empfunden. Statt fester Bauten bevorzugte man deshalb vielerorts Holzhäuschen - sie konnten im Falle eines Protests problemlos den Standort wechseln.

Wasser marsch - mehr Komfort durch Wasserspülung

Der Siegeszug der Toilette, wie wir sie heute kennen, ist eng geknüpft an den Bau der Kanalisation. Im Jahr 1882 bekam Frankfurt, als zweite Stadt in Deutschland, ein Abwasserkanalsystem - eine echte Innovation, wie man heute sagen würde. Sie bedeutete einen großen Schritt für die hygienischen Standards in der Großstadt Frankfurt. 1888 eröffneten hier die ersten drei modernen „Bedürfnisanstalten" für Frauen und Männer. Es gab WCs 1. Klasse (mit Waschgelegenheit in der Kabine) und solche 2. Klasse.

Die Frankfurter Kanalisation und öffentlichen Bedürfnisanstalten um 1882 mit Lupe

Aber noch immer kämpften die Örtchen mit der Akzeptanz der Bevölkerung. Ab 1906 verschwanden deshalb mehr und mehr Toiletten in den Untergrund - unterirdische Anlagen, die man weder sehen noch riechen konnte lagen voll im Trend. Aber ganz gleich ob unter der Erde oder auf Plätzen und an Straßenbahnhaltestellen: die einst ungeliebten Orte eroberten sich ihren Platz im Stadtleben.

Allein zwischen 1904 und 1930 wurden 24 Bedürfnisanstalten und 40 Pissoirs eröffnet. Verglichen etwa mit Paris eine recht bescheidene Zahl - hier zählte man zu Beginn des 20. Jahrhunderts rund 4.000 Pissoirs, die legendären „vespasiennes".









Hightech und Herausforderung - öffentliche Toiletten heute

Inzwischen sind viele der damaligen Anlagen abgerissen oder stillgelegt, weil Standort und Ausstattung nicht mehr zu den Nutzungsgewohnheiten passten. Manche stehen aber auch unter Denkmalschutz und werden heute wieder ganz neu und anders genutzt, wie etwa das hübsche Häuschen an der Friedberger Anlage, in dem sich ein Café niedergelassen hat.

Fest steht: Öffentliche Toiletten werden nach wie vor gebraucht. Sanitäre Anlagen sind wichtiger Service, den die Stadt seinen Bürgerinnen und Bürgern und seinen Gästen bieten möchte. Moderne Einrichtungen, etwa die am Römer, sind vielbesucht und setzen dabei hohe Hygienestandards. Doch auch heute kämpft Frankfurt mit Widrigkeiten:

Vandalismus und die Folgen zweckfremder Nutzung machen der Stadt zu schaffen. Instandhaltung und Pflege kosten so viel Geld. Ein Grund, weshalb moderne Anlagen für die Nutzer heute nicht völlig kostenfrei betrieben werden können.

Doch ist dies sicherlich zu verschmerzen, wenn man unsere sanitäre Situation in der Stadt relativ betrachtet: Laut den Daten der „German Toilet Association" haben rund 2,6 Milliarden Menschen weltweit keinen oder nur einen unzureichenden Zugang zu Toiletten. Das sind 42% der Weltbevölkerung.